Frank Düwels Geschichte vom Ende der Kindheit

Wenn die Teddys und der letzte Papierflieger im Gras gelandet sind, ist es vorbei mit der unbeschwerten Kindheit. Die Welt entpuppt sich von einem Moment auf den nächsten als eine andere. Eben war man noch Junge oder Mädchen. Und nun? Was ist man nun?

Der Kammerchor des Mönchsee-Gymnasiums Heilbronn ist unter der Leitung von Claus Hutschenreuther im Möllner Kurpark aufmarschiert. Die Schüler tragen alle Jeans und weiße Hemden. Mit dieser Uniform macht Regisseur Frank Düwel den rund 250 Zuschauern deutlich, dass sein bereits auf der Bundesgartenschau Heilbronn gespieltes Musiktheater-Stück „In den Gärten“ das Kollektiv in den Mittelpunkt stellt. Düwel zeigt, wie der junge Mensch aus der Kindheit vertrieben und in die Pubertät verstoßen wird. Eine irritierende Erfahrung – für jede und jeden. Plötzlich gerät etwas in Fluss, von dem man bis hierhin gar nicht wusste, dass es das gibt.

Treibstoff für das Geschehen ist die vom renommierten Komponisten Jochen Neurath geschriebene Musik, gespielt von der Bläsergruppe des Möllner Marion-Dönhoff-Gymnasiums. Plötzlich sind sie da die Bläser, rücken näher, drängen sich auf und befeuern mit Fanfaren das Aus für die Teddys. Die neue Zeit braucht neue Musik. Ein Saxofon liefert sie. Die jungen Leute tragen nun weiße Augenbinden. Sie drehen sich, winden sich, suchen tastend den Weg unter ihresgleichen. Fanfaren, gefolgt von „Aaas“ und Ooos“, künden von neuen Erkenntnissen.

Die Augenbinden fallen ins Gras. Vertrauen sprießt. Für einen Moment scheint das Leben wieder in einen Takt zu kommen. Doch das erweist sich als Trugschluss. Zwei Gruppen formieren sich. In Habachtstellung stehen sie einander gegenüber. Emotionen stürmen die Gesichter. Die Blicke sind bohrend. Man kommt sich näher – die Eskalation naht, Hände greifen nach einander – jetzt – jetzt!

Aber auch das vergeht. Die Handgreiflichkeiten münden in einer Paarbildung. Die Bläser spielen zum Tanz auf. Jungen und Mädchen heben – wenn auch ein wenig ungelenk – Arme und Beine. Sie feiern eine Versöhnung mit dem Leben. Sie singen. In der Hochstimmung nehmen sie noch einmal den Teddy zur Hand. Der engste Freund der Kindheit ist nun nicht mehr als eine stille Erinnerung.

Umso lauter fällt der Beifall des Möllner Publikums für die Aufführung im Rahmen des KulturSommers aus. Im Falle der Heilbronner Schüler um ihren Lehrer ist es auch die Anerkennung für beeindruckende Leistungen, die der Nachwuchs den Zuschauern vor „In den Gärten“ gezeigt hatte. Im Rahmen eines musikalischen Parkrundgangs hatten sie unter anderem Volkslieder sowie Auszüge aus Glucks „Orfeo et Euridice“ gesungen.

Text: Helge Berlinke, Fotos: Antje Berodt

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