Das Kanu-Wandertheater – ein Sommernachtstraum

KanuWander-Theater - Ein Sommernachtstraum. (Foto: © Berodt)

„Und, springt sie wirklich rein?“ – „Nein, das kann ich mir nicht vorstellen…“ Ein beherzter Sprung, ein Platsch – und Puck (in dieser Szene: Julia Menk) ist vom Ast des großen Baumes in den Salemer See gesprungen. Sicherlich ungewöhnlich für ein Theaterstück, nicht aber für das Kanu-Wander-Theater, das dieses Jahr ganz im Zeichen von Shakespeares „Sommernachtstraum“ stand. Da geht eben Puck auch mal baden, Oberon (in dieser Szene: Jürgen Choinovski) putzt sich im Bademantel die Zähne, während er seinen Gehilfen losschickt, Titania und die beiden Liebespaare ordentlich durcheinander zu bringen, und die Handwerker sind keine Handwerker, sondern ein echter Darstellendes Spiel-Kurs (Lauenburgische Gelehrtenschule Ratzeburg), der sich bemüht, endlich beim Kanu-Wander-Theater aufgenommen zu werden. Shakespeares Klassiker wird eben nicht reproduziert, sondern kommt mit Witz, Ironie, Spannung und aktuellen Bezügen daher. Und mit wahrlich zu Herzen gehenden Momenten: Wenn zum Beispiel Hermia (in dieser Szene: Hanna Ramminger) mit der Arie „O let me weep“ (Henry Purcell) ihr Schicksal beweint, vergisst der Zuschauer, dass er doch eben gerade noch über Pucks gewagten Sprung ins kühle Nass gelacht hat, so ergreifend und ehrlich wirkt die Musik.

Über 100 Mitwirkende erweckten Shakespeares Klassiker zum Leben, Regisseurin Kerstin Steeb stellte einmal mehr unter Beweis, dass sie mit Amateuren und Profis gleichermaßen großes Theater an einem spannenden, aber mitunter auch komplizierten Spielort realisieren kann. Auch für die Akteure eine Herausforderung, die – von den Kindern der Freien Schule Mölln über (Profi-)Musiker bis zu den (Amateur-)Schauspielern – alle mit viel Spielfreude und Authentizität gemeistert haben.

Nach drei Stunden Paddeltour in großartiger Natur, mit Szenen zum Lachen und Weinen, kommt die Ruhepause im Schaalseecamp den Zuschauern sehr gelegen, aber die meisten sind sich einig: Im nächsten Jahr wollen sie wieder mit dabei sein.

 

(Foto: © Berodt)

Print Friendly, PDF & Email