Leichtes Spiel bei stetiger Brise

Die Bühne ist ein kleiner Flecken. Ein blauer Tupfen auf dem Menzer-Werft-Platz, unter dem in diesem Moment Bögen und Finger fliegen. Evelyne Saad, Lucy Finckh, Christian Jonkisch und Sigrid Strehler spielen unter einem Zeltpavillon. Umgeben von dem großen Areal und ein paar Spaziergängern, die zum Flanieren an die Elbe gekommen sind.

Dem Streichquartett des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck ist das gerade mal so was von egal. Der Auftritt in Geesthacht ist für das Ensemble offensichtlich ein Akt der Befreiung. Live musizieren. Einfach so. Draußen. Darauf haben sie seit März warten müssen. „Es ist ein sehr angenehmes Spielgefühl hier“, meint Christian Jonkisch. „Mitten in der Natur.“ Und wenn jemand kein Interesse an der Musik hat und einfach vorbeigeht? Stört das? „Wir sehen das natürlich“, sagt Evelyne Saad. „Aber das ist nicht unangenehm.“

Mit „Kurmusik aus den Wolken“ ist das Ensemble im Programm des KulturSommers am Kanal angekündigt. Der Titel könnte passender kaum sein. Leichtigkeit prägt das Spiel des Quartetts. Die Melodien gehen wie selbstverständlich vom Notenblatt auf die Musiker über. Man kennt sich. Man ist vergnügt miteinander, reicht die Tonfolgen Dvořáks, Mozarts & Co. beschwingt weiter. Manch einen der Flanierer verwandeln sie damit – wenn schon nicht zum Kurgast – zum Konzertbesucher.

Es gibt Beifall zwischen den Stücken und persönlich geäußerte Anerkennung. Während das Quartett an den Noten nestelt und aufpassen muss, dass die Zettel nicht von der stetigen Brise, die über den Platz geht, fortgeweht werden, nähern sich Zuhörer dem Zeltpavillon, um „danke“ zu sagen. Der Dank kommt postwendend zurück. Verbal und mit weiterer Musik. Das Quartett verständigt sich, ein Stück von Astor Piazzolla zu spielen. So selbstverständlich das Spiel, so offen die Auswahl. Der Auftritt in Geesthacht ist keiner von der Stange.