Die Jugend der Selma Meerbaum

Für Geesthacht heißt es am letzten Wochenende des KulturSommers am Kanal Vorhang auf und Bühne frei: Im Rahmen des Festivals präsentiert die Stiftung Herzogtum Lauenburg dort gleich zwei außergewöhnliche Theaterproduktionen.

Für Geesthacht heißt es am letzten Wochenende des KulturSommers am Kanal Vorhang auf und Bühne frei: Im Rahmen des Festivals präsentiert die Stiftung Herzogtum Lauenburg dort gleich zwei außergewöhnliche Theaterproduktionen. Den Auftakt machen „Futur3“. Das freie Kollektiv unter der künstlerischen Leitung von André Erlen zeigt am Freitag, 2. Juli, und Sonnabend, 3. Juli, im kleinen Theater Schillerstraße (kTS) die Inszenierung „Ich will leben!“ (Foto: Steffen Rasche). Das Stück erzählt vom Leben der jüdischen Lyrikerin Selma Meerbaum. Am 4. Juli präsentiert die Hochschule für Musik und Theater dann am Theklahaus die Produktion „Der Zauberberg – eine Liegekur in drei Kapiteln“.

„Das Gebäude passt als Kulisse natürlich wie die Faust aufs Auge zu dieser Geschichte Thomas Manns“, freut sich KulturSommer-Intendant Frank Düwel auf die Aufführung. Die künstlerische Leiterin Karina Häßlein verwandelt das Theklahaus, ehemals eine Lungenheilanstalt, in das Sanatorium in Davos, wo der Ingenieur Hans Castorp 1914 seinen Vetter besucht. Die Inszenierung ist als Rundgang um das Gelände der ehemaligen Klinik angelegt.

Literatur ist auch die Grundlage für die Produktion von „Ich will leben!“. „Futur3“ zeichnen anhand von Gedichten das kurze Leben der Selma Meerbaum nach, die 1942 im Zwangsarbeiterlager Michailowka (Rumänien) umkommt. Als Teenager hat sie mit der Poesie begonnen und heftet Blatt für Blatt ihre Texte zu einem Buch zusammen. Selmas innere Welt ist weit und verrückt und voller Zukunftsträume, während es um sie herum immer enger wird.

Doch Selma lässt sich vom grassierenden Antisemitismus nicht unterkriegen. Im Stück von „Futur3“ ist sie ein „Pop-Punk“ (André Erlen). Sie feiert das Jungsein, die Jugend. Um das zu zeigen, nimmt das freie Kollektiv Anleihen bei den Bühnentechniken des Poetry Slam.

Möglich ist „Futur 3“ diese Inszenierung überhaupt nur, weil Selmas Gedichte der Nachwelt wundersamerweise erhalten geblieben sind. Auch dieses Wunder ist Thema der Inszenierung. Es beginnt damit, dass es Selma gelingt, jemandem das Buch vor ihrer Gefangenahme in die Hand zu drücken. Im kTS erlebt man all das hautnah mit: Das zweisprachige Ensemble, das aus Darstellerinnen und Darstellern der neuen Bühne Senftenberg (Brandenburg) und des Theaters Lesi (Lemberg/Ukraine) besteht, hört Publikum über Kopfhörer.

Die Aufführung „Ich will leben!“ wird vom Verein „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ sowie von der Bundeskulturstiftung finanziell unterstützt. „Dass Futur3 nun mit der Inszenierung von ‚Ich will leben!‘ beim KulturSommer am Kanal dabei ist, ist eine großartige Sache“, so Intendant Düwel. „Solch aufwändige Produktionen sind im ländlichen Raum nur selten zu sehen. Unser Festival macht es möglich.“

Kartenreservierung für „Ich will leben“ (2./3. Juli, kTS Geesthacht) unter Tel. 04542-87000 oder per Mail unter info@stiftung-herzogtum.de.

Kartenreservierung für „Der Zauberberg – eine Liegekur in drei Kapiteln“ (4. Juli, Theklahaus Geesthacht) unter Tel. 04542-87000 oder per Mail unter info@stiftung-herzogtum.de.