Alles muss raus hieß es Ende vergangener Woche für die Mitarbeiter der Stiftung Herzogtum Lauenburg. Mit dem Pkw waren sie an zig Orten im Kreis unterwegs, um die Plakate für den KulturSommer am Kanal anzubringen und den neuen Flyer „In den Wolken“ zu verteilen. In diesem finden Interessierte die Wichtigsten Infos rund um das Festival.

Unter anderem erfahren die Leserinnen und Leser, an welchen Orten es in der Region Kunst am Wegesrand zu entdecken gibt. Außerdem werden die Soundwalks für experimentelle Klangspaziergänge vorgestellt und auf welche Musiker sich das Publikum 2020 freuen darf.

Überdies weist der Flyer noch mal ausdrücklich darauf hin, dass Kultursommer-am-Kanal.de in diesem Jahr zur digitalen Bühne wird. Also: Alle reinklicken da!

Kein Kanu-Wander-Theater, kein „Was ihr wollt“, kein Shakespeare – zumindest nicht im KulturSommer am Kanal 2020. Die Enttäuschung darüber hat Hanne Lenze-Lauch längst von sich geschoben. Sie hat schlicht keine Zeit, um zu trauern. Die Arbeit ruft. Also hat sie den Werktisch freigeräumt und von vorne angefangen. Statt in Neo-Barock-Kostüme macht die Bühnen- und Kostümbildnerin jetzt in Wolken und in Kunst.

Nach der Covid-19-Vollbremsung hatte Intendant Frank Düwel sie angerufen und klargemacht: Hanne, wir brauchen dich! Der KulturSommer am Kanal wird laufen – trotzdem. Anders. Vor allem digital. Mal schauen, was sonst noch geht. Das Motto ist luftig, doppeldeutig: „In den Wolken“ lässt sich in der Not auf Einsen und Nullen reduzieren, auf Streams, Videos und Podcasts. Es lässt aber auch Raum für mehr. Kein Himmel ohne Landschaft und die Landschaft ist die Kulisse des KulturSommers.

Also hat Hanne angefangen: Zu nähen, zu sägen und zu malern. Das Ergebnis – so viel steht schon mal fest – wird es zur Berühmtheit bringen: Die bauschigen Wolken sind eine wandelnde Kulisse, die sofort ins Auge fällt. Sie passen ins Studio und in die Landschaft. Und sie sind ein Signal: Hier ist der KulturSommer!

Rund zwei Wochen habe sie für die Materialbeschaffung und die Fertigung der Kissen und Holzaufsteller gebraucht, sagt Hanne Lenze-Lauch. „Netto waren es drei bis vier Tage“, ergänzt sie und hat dabei immer auch einen Blick auf ihre kleine Tochter. Wie so viele Frauen muss sie in diesen Tagen beides unter einen Hut bringen – die Betreuung des Nachwuchses und die Arbeit. „Das stresst schon“, sagt sie. Sie müsse nach Zeitfenstern Ausschau halten – gucken, „wann es geht“.

Nach den Wolken hat sich Hanne Lauch nun zwei weiteren KulturSommer am Kanal-Projekten zugewandt. Für die Eröffnung arbeitet sie an einer freien Kunstinstallation. Da sei sie gerade dabei, sagt sie. Dafür habe sie sich bei Ebay kleine und große Figuren gekauft. Ihnen gemein ist, dass es sich um keine perfekten Kunsthandwerke handelt. Hanne Lenze-Lauch will sie nutzen. Sie aufwerten, indem sie die Figuren in ihren eigenen ästhetischen Kontext integriert.

Eine knifflige Aufgabe, aber nicht so knifflig wie die zweite, die ihr Intendant Düwel angetragen hat: Sie soll Kanus zum Fliegen bringen. Es ist der Plan von der Abschaffung der Schwerkraft.

Das Kanu. Beim KulturSommer am Kanal ist es das gängige Mittel zum Zweck, um ein Bühnenspektakel unter freiem Himmel zu ermöglichen. Ohne Kanu kein Kanu-Wander-Theater. So einfach ist das.

Doch was ist in Zeiten des Abstands noch gängig? Die Kanus als Vehikel für den Schauspielfreund sind es jedenfalls nicht. Wie so viele und vieles benötigen sie, um gebraucht zu werden, in diesen Tagen eine andere Rolle. KulturSommer am Kanal-Intendant Frank Düwel hat sie gefunden. „Die Kanus, die die Gäste immer geduldig gefahren haben, hatten zu diesem Zeitpunkt die Sehnsucht, mitzuspielen und Teil der poetischen Geschichte zu sein. Die Kanus verlassen das Wasser.“

Die Boote werden also zu Akteuren – zu Protagonisten. „Sie wandern zu den Menschen“, so Düwel weiter, „sie schweben leicht durch die Orte, die sie besuchen.“ Die Schwerkraft sei bei ihnen aufgehoben, sie seien von Fischen, Vögeln und Wolken umgeben. Es handele sich um „fröhliche Kanus“, die als Installationen und Skulpturen einen poetischen Humor verbreiten sollen.

Wie diese von der Schwerkraft befreiten Kanus aussehen, kann das KulturSommer am Kanal-Publikum zunächst am Sonntag, 7. Juni, in Büchen entdecken. Von dort werden sie dann eine Reise durch den Kreis antreten. Eher schwebend als schwimmend versteht sich. Helden ihres eigenen Schauspiels.

Physikern könnte dieses Phänomen Kopfzerbrechen bereiten. Den Protagonisten des Kanu-Wander-Theaters womöglich auch. Nur haben auch sie in Zeiten des Abstandes eine neue Rolle gefunden. Welche das ist? Nun, verehrtes KulturSommer am Kanal-Publikum: Sie werden es erfahren, Sie werden es erleben.

Der von der Stiftung Herzogtum Lauenburg veranstaltete KulturSommer am Kanal startet unter dem Motto „In den Wolken“. Das Publikum darf sich auf ein umfangreiches Programm freuen, das es als Kunst am Wegesrand zu sehen und entdecken gibt sowie als Großevent im Netz. Dafür wurde Kultursommer-am-Kanal.de einem grundlegenden Relaunch unterzogen.

Auf der Webseite in Erscheinung treten werden unter anderem die Literatin Hannah Rau, die zwei Slam-Videos präsentiert. Märchenerzählerin Anna Malten bringt dem Publikum die Sage von Europa näher. Gwendolin Fähser entführt in Digitalien auf eine literarische Kutschfahrt. Der Opernlieferservice Operando steht zwar nicht in der Tür, singt aber immerhin im heimischen Wohnzimmer. Außerdem im Netz-Programm: das literarische Parkgeflüster vom Nachwuchsliteraten Fabian Navarro. Überdies bietet Sprache Kultur Mobil aus Kiel zwei Tutorials für Kinder an und Künstler aus der Region – beispielsweise der Cellist Peter Köhler – präsentieren Musik zum Herunterladen für sogenannte Soundwalks.

Natürlich wird es auch Musik live und unter freiem Himmel geben. Theoretisch kann dies überall passieren. Intendant Düwel und Managerin Klose haben unter anderem Klassik und Oper im Angebot. Wer zuhören will, muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Da hilft der Zufall nach oder die KulturSommer-App, auf der solche Events kurzfristig angekündigt werden.

Eine Institution des KulturSommers am Kanal sind die Ateliers. Viele von ihnen öffnen auch 2020 ihre Pforten. Allerdings verlegt ein Großteil der Künstler den Arbeitsbereich in den Garten und in die Natur. Mit dabei sind unter anderem die Buchholzer Künstler, Heidrun und Hans Kuretzky, Ilke Dankert, Anja Franksen, Antje Ladiges-Specht, Marianne Schäfer und viele mehr.

Der KulturSommer am Kanal 2020 beginnt wie ursprünglich geplant am 7. Juni und endet am 6. Juli.

In der neuen „Kunstgarage“ präsentiert Ilka Dankert kleine Skulpturen aus Treibhölzern und andere Werke. 

Webwerke in der Astgabel oder am Gewichtswebstuhl gestaltet, rücken Qualitäten des Zusammenhaltens in den Blick:

verbinden – verflechten – vernetzen 

Im Nachempfinden vorgeschichtlicher Webtechniken ist Ilka Dankert den Tätigkeiten von Frauen auf der Spur, die seit jeher dem Leben Halt gaben und die heute wichtiger sind denn je.

Sie können täglich vom 27.06. – 05.07.2020, 11.00 – 18.00 Uhr einen Blick ins das „SCHAUFENSTER der Kunstgarage“ werfen. 

Adresse: Am Moorweg 12, 21514 Güster.