Der KulturSommer am Kanal 2021 rückt näher. Das von der Stiftung Herzogtum Lauenburg veranstaltete Festival macht sich ab dem 5. Juni los – es geht an die Wegesränder, hinein in die Gärten und in die Natur. Der Highlight-Flyer, der gerade erschienen ist, dokumentiert eindrucksvoll den Freiluftcharakter der Großveranstaltung. Open Air-Event reiht sich da an Open Air-Event. Das Festival folgt damit konsequent einer Fährte, die es selbst gelegt hat.

„Wir werden mit dem KulturSommer noch landschaftlicher“, sagt dazu Intendant Frank Düwel. „Gleichzeitig sind wir noch stärker im gesamten Kreisgebiet präsent.“ Die Einbettung der Veranstaltungen in die Landschaft treibt Düwel schon länger um. Immer wieder gab es in den letzten Jahren Freiluftformate wie das „Singen am See“ oder das „Kanu-Wander-Theater“. Die Pandemie hat sich hier als Glück im Unglück erwiesen. 2020 verlegte Düwel im Zusammenspiel mit Managerin Farina Klose einen Großteil der Veranstaltungen ins Netz und nach draußen. In diesem Jahr heißt es nun: Alles ohne Netz, dafür mit doppeltem Boden – beziehungsweise alles auf lauenburgischer Erde.

Der Blick auf den Flyer zeigt: Die Kunst am Wegesrand ist wieder dabei. „Damit waren wir letztes Jahr sehr erfolgreich“, so der Intendant. 2021 sattelt das Duo nun drauf – unter anderem mit der Kunst am Wegesrand für Kids, mit Gartenkonzerten, mit einem poetischen Spaziergang auf den Geesthang und einer Begegnung mit Thomas Manns „Zauberberg“.

„Am Ufer – die Freiheit“ haben Düwel und Klose den KulturSommer getauft. Und tatsächlich eröffnen sie dem Publikum Gelegenheiten, sich in alle Himmelsrichtungen zu bewegen. „Bei uns sind die Besucherinnen und Besucher frei“, sagt Düwel. Die erste Gelegenheit bietet sich, wenn es zur Eröffnung am 5. Juni heißt „Büchen erFahren“. Mit dem Rad schickt das KulturSommer-Team das Publikum auf eine Kunsttour. In kleinen Gruppen geht es von Station zu Station, wo sich den Besucherinnen und Besuchern ungeahnte ästhetische Welten eröffnen.

Formate wie „Parkgeflüster“ – ein Event für Slammer und junge Literatinnen und Literaten – sowie Beat’n’Dance für Kids zeigen eine weitere Entwicklung des Festivals: „Der KulturSommer am Kanal soll ein Event für Jung und Alt sein, ein Ereignis für die gesamte Familie“, sagt Farina Klose. „Deshalb bieten wir auch eine ganze Reihe von Formaten für Jüngere an.“ Den Flyer können Interessierte hier herunterladen. Darüber hinaus ist er in den Filialen der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg – Premiumsponsor der Stiftung Herzogtum Lauenburg – ausgelegt.

Für den KulturSommer am Kanal begibt sich Ingrid Kunstreich auf unbekanntes Terrain. Klar ist für sie nur, dass es nach draußen geht – ins Freie. „Es kann sein, dass wir mal an einem Fluss, mal mitten in einer Stadt oder in einem Park singen“, sagt die Kastorferin.

Schlaflose Nächte bereitet ihr das nicht. Kunstreich ist nicht nur eine erfahrene Sängerin. Sie ist ein Vollprofi. Die 60-Jährige hat Gesang studiert, Chorleitung an einer Akademie gelernt und jede Menge Erfahrung angehäuft. Seit zig Jahrzehnten leitet sie Gesangensembles. Aktuell ist sie für vier Chöre verantwortlich. Dazu zählen die Baltic Jazz Singers, der Frauenchor Ratzeburg, der Berkenthiner Kirchenchor sowie in Schiphorst ein großer gemischter Chor.

Und dennoch: Das Singen unter dem Dach der Welt ist etwas Besonderes und durchaus eine Herausforderung. „Ich weiß nicht, ob es regnet“, sagt Kunstreich, „ich weiß nicht, wie der Wind weht. Wir müssen da ganz spontan sein. Aber ich freue mich auf die Begegnung mit den Menschen.“

Der Chor formiert sich immer erst vor Ort. Proben ist nicht. Das KulturSommer-Format „Singen und Klänge in der Natur“ bedeutet: Wer da ist, kann mit einstimmen. Um die Hemmschwelle herunterzusetzen, hat sich Kunstreich die Unterstützung ihrer „Baltics“ gesichert. Der gemischte Chor soll auch die schüchternen Männer und Frauen zum Singen ermutigen. Zudem werden die Sängerinnen und Sänger von einem Instrumentalisten begleitet. Und: Die Songs, die Kunstreich aufrufen will, kennt jede(r). Dazu gehören bekannte Volkslieder und legendäre Schlager von Udo Jürgens bis Vicky Leandros.

Wenn es dann endlich losgeht, werden die Sängerinnen und Sänger einen Moment brauchen, um sich an die Open Air-Kulisse zu gewöhnen. „Man hört sich mit allem, was man zu bieten hat“, sagt Kunstreich, „Man nimmt sich selbst sehr stark war.“ Die akustische Situation sei eine komplett andere als in einem Saal.

Dafür winkt das Gefühl von Freiheit in der Gemeinschaft: Sich draußen versammeln zu können, zu spüren, wie etwas Gemeinsames erwächst und ein Teil davon zu sein. Für Fragen der Akustik bleibt da kein Raum – schon gar nicht, wenn mit Chorleiterin Kunstreich eine so professionelle Impulsgeberin am Start ist, die sich das Motto des KulturSommers am Kanal „Am Ufer – die Freiheit“ offenbar auf die Fahnen geschrieben hat.

„Ich freue mich darauf“, sagt sie, „mit Chor und Publikum neue Räume zu erobern“.

Die Orte und Termine für das „Singen und Klänge in der Natur“ werden während des KulturSommers am Kanal über die Webseite und über die App des Festivals veröffentlicht. Auch die Liedtexte werden Online zur Verfügung gestellt. Das Festival findet vom 5. Juni bis 5. Juli statt.

Am Ufer – die Freiheit

Aufruf zum 16.  KulturSommer am Kanal

„Was treibt Euch alle zum Meer?“ …

… flucht und spottet Ismael in Moby Dick über die Sehnsucht der Menschen, am Ufer zu stehen und in die Ferne zu schauen.

Ja, was treibt uns an, was suchen wir? Am Abend, an der Elbe, beim Spaziergang um einen See oder auf einer Anhöhe mit dem Blick auf ein Wolkenmeer oder beim Eintauchen in ein Meer aus Klang.

Es hat etwas Magisches, Poetisches, sich an einer solchen Grenze aufzuhalten.

Der freie Blick und der feste Stand zugleich. Ist das eine Beschreibung von Freiheit?

„Ich wußte nichts von Deinem Ufer“, singt Nina Hagen in ihrem Song “New York, New York” über die Liebe zu einem schwulen Mann. 

Was sind Deine Ufer?

Für mich ist der schönste poetische Moment zum Spiel von Ufer und Freiheit der Titel eines Romans von Hans Henny Jahnn: „Fluss ohne Ufer“. Was für ein fantastischer Raum öffnet sich da!

An welchem Ufer sitzt Du, wohin geht Dein Blick, was ist Deine Kunst, Deine kulturelle Idee, Deine Freiheit. Was möchten wir gemeinsam gestalten? 

Frank Düwel

Unser erster Ausblick in das nächste Jahr:

Kunst am Wegesrand

Bildende Kunst im öffentlichen Raum oder in Gärten und auf Wiesen zu zeigen, war eine wundervolle Reaktion der Kunst auf die Pandemie. Wir möchten auf diesem

Wege mit euch weitergehen. Offene Ateliers in luftiger Situation und mit Hygiene-Konzept werden möglich.

Klang-Gärten 

Wir möchten eine Serie von Konzerten in Gärten zum Klingen bringen.

Gärten im Grünen, aber auch im assoziativen Sinne: aus Kunst und spannenden Räumen, als Dialog von Ort und Klang.

Alle Musikrichtungen sind möglich. Ein Augenmerk möchten wir auf junge Musiker*innen lenken. Wir möchten ihnen ihren Berufseinstieg erleichtern, auch in diesen Zeiten.

Theater–Verwandlungen

„Gemeinsam unterwegs“: Die Eröffnung in Büchen (als Fahrradstationen-Kunsterlebnis) können wir nun zeigen – auch wenn hier noch vieles in Bewegung ist und wir einzelne Stationen neu erfinden werden.

Das Kanu-Wander–Theater möchten wir in diesem Jahr spielen. Wir freuen uns auf Was Ihr wollt, das Michelle Affolter mit vielen Beteiligten am Schaalseekanal erfinden wird.

Wir haben in der letzten Saison mit Theater, aber auch mit Kanu-Touren unter besonderen Hygiene-Anforderungen viel Erfahrung sammeln können, so dass wir in dieser Saison einen Start ermöglichen wollen.

Für Kinder entwickeln wir ein Projekt mit dem Schwerpunkt „Kunst in der Natur“, das wir an vielen Orten im Kreis erlebbar machen wollen.

Junge Kunstprojekte in Film und Literatur sind in der Vorbereitung.

Beat´n´Dance wird sich wandeln und mit einer eigenen Konzert-Serie “Lost Concerts“ Teil des Festivals sein.

Das sind die Ufer, an denen wir zurzeit arbeiten.

Überall und anders

Wir möchten 2021 an möglichst vielen Orten im Kreis Kunst und Kultur anbieten

und entwickeln; Formate, die wir an unterschiedlichen Orten zeigen können.

Der KulturSommer entwickelt sich weiter. Natürlich spielt die Pandemie eine Rolle. Hygiene und Abstandsregeln sind Grundlage unserer Planung.

Mit viel Fantasie und Tatkraft haben Künstlerinnen und Künstler und das KuSo-Team 2020 unter herausfordernden Bedingungen die Kunst in den Mittelpunkt gestellt.

Wir bedanken uns herzlichst bei allen Beteiligten.

Wir freuen uns auf Eure Anregungen und Werke …

… und auf weitere Begegnungen an den Ufern der Freiheit.

Formales:

Wir arbeiten weiterhin an der Art der Publizierung des Programmes für das nächste Jahr. 

Anfang Februar werden wir die ersten Höhepunkte vorstellen. Der Redaktionsschluss für den KulturSommer 2021 ist am 28. Februar 2021.

Kontakt:

kultursommer@norden-theater.de

0157-85317128

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Im Rahmen der Kulturpreisverleihung 2020 durfte sich auch das Projekt „Beat and Dance“ freuen. Die Nachwuchsmusikerinnen und Nachwuchsmusiker wurden von der Stiftung Herzogtum Lauenburg für ihre herausragende Leistung mit dem Förderpreis für Jugend und Kultur gewürdigt. Unter dem Motto „Begegnungen“ hatten sie Videos produziert und auf www.Kultursommer-am-Kanal.de online gestellt. Wie so viele andere Kulturveranstaltungen in diesem Jahr war die für die Bühne geplante Vorstellung wegen der Pandemie abgesagt worden.

Michael Schmerschneider, Leiter des Fachbereichs „Musik und Kultur“ der Vorwerker Diakonie, würdigte in seiner Laudatio den „Mut, das Engagement und das Improvisationstalent“ der Nachwuchsmusikerinnen und Nachmusiker und des Teams dahinter. Für „Beat and Dance“ nahmen Schwarzenbeks Bürgermeister und ehemals Leiter des Jugendzentrums Schwarzenbek Norbert Lütjens, KulturSommer-Intendant Frank Düwel, der technische Mastermind Benjamin Tschuschke – ebenfalls vom Jugendzentrum Schwarzenbek – sowie die Musiker Tim Seifert und Jannes Moritz den Preis entgegen.

Herzlichen Dank !

Wir bedanken uns für die Fantasie und Kraft aller Beteiligten, für den Mut und die Neugierde, die diesen KulturSommer in herausfordernden Zeiten in die Wolken und zum Erfolg geführt hat.

 Am Wegesrand und In den Wolken … geht es weiter:

Das neue Format, in dem wir Skulpturen, Musik und Theater am Wegesrand zeigen konnten, war für Künstler*innen und Gäste gleichermaßen inspirierend, sodass wir diese Form auch im nächsten KulturSommer weiter entwickeln möchten.

Unsere Internetseite ist zum Ort der Kunst geworden, viele spannende Beiträge sind weiterhin im Netz zu sehen. Auch dieser Ort der Kunst und Begegnung soll im nächsten Jahr Teil des Festivals sein.

So ist es der Kunst gelungen, trotz vielerlei Einschränkungen, präsent zu sein und Menschen durch diese anspruchsvolle Zeit zu begleiten. – was für ein Glück!

KulturSommer am Kanal 2021

Am Ufer – die Freiheit

5.6. – 5.7.2021

Den nächsten KulturSommer am Kanal möchten wir dem Themenfeld Freiheit widmen.

Wir möchten die Künstler*innen einladen, dem hochflüchtiges Gut, das Kunst- und Lebensmittel Freiheit in Ihren Arbeiten zu thematisieren.

Wir freuen uns schon jetzt auf die Ideen und  den Dialog mit Ihnen, und hoffen für das Jahr 2021 auch wieder auf viele persönliche Begegnungen.

Mit dem „Blauen Montag“ ist der KulturSommer am Kanal 2020 zu Ende gegangen. Intendant Frank Düwel bedankte sich im Stadthauptmannshof bei den Künstlern, Musikern und den vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Helfern. Trotz Pandemie und damit verbundener Einschränkungen war das Festival im gesamten Kreisgebiet mit diversen Konzerten, Ausstellungen und offenen Gärten vertreten.

Ein Riesenlob für die von Düwel und KulturSommer am Kanal-Mangerin Farina Klose geleistete Arbeit gab es von Klaus Schlie, Präsident der Stiftung Herzogtum Lauenburg. Ihnen sei es gelungen, quasi Tag für Tag einen KulturSommer zu planen, so Schlie, und damit überhaupt das Festival unter den besonderen Umständen zu ermöglichen.

Rund 100 Besucher hatten sich zum „Blauen Montag“ im Stadthauptmannshof versammelt. Sie freuten über ein musikalisches Potpourri. Zu den Live-Acts auf der Open Air-Bühne zählten Nachwuchskünstler von Beat’n’Dance, Liedermacher Kaus Irmscher und Folk-Musiker Lorenz Stellmacher. Darüber hinaus überraschten einige Poetry Slammer das Publikum mit ihrer Wortakrobatik.

Diese Vier haben definitiv einen schlechten Klamottengeschmack. Und einen Vogel haben sie auch. Das ist jetzt nicht nur so dahin gesagt. Ljuban Živanović – er trägt ein schauderhaftes Shirt, auf dem Daisy und Donald Duck zu sehen sind – hat sich gerade mächtig aufgeplustert. Kollegin Freja Sandkamm gibt seltsame Laute von sich, auf die Pauline Gonthier, Ljuban Živanović und Tim Maas mit mindestens genauso seltsamen Lauten antworten. Zusammen klingen sie wie ein Hühnerhaufen.

Spätestens jetzt sind die ersten Spazier- und Strandgänger auf der Schlosswiese in Ratzeburg neugierig geworden. Was geht denn hier gerade ab? Ja, was denn? „Wenn ich ein hübscher kleiner Vogel wär“, intoniert der Tenor Ljuban Živanović. Zwischen Sein und Haben liegt in diesem Fall eine ganze Welt. Wie der Rest des Hühnerhaufens verwandelt er sich nach flatterhaftem Beginn in ein Mitglied des Kanu-Wander-Theater-Gesangensembles. Das Opern-Quartett singt Stücke von Johannes Brahms‘ „Liebesliederwalzer op. 52“-Zyklus.  Es geht darum, wie Leidenschaft den Menschen vogelwild macht.

„Der Vogel ist das Sinnbild oder die Allegorie für die Liebe“, sagt Michelle Affolter. Als diejenige, die diesen Auftritt inszeniert hat, weiß sie, warum ihr Ensemble in aller Öffentlichkeit so verhaltensauffällig daher kommt.  Vor allem Bassbariton Tim Maas ist außer Rand und Band. Zunächst bewirft er Sopranistin Freja Sandkamm mit einem Handschuh und dann packt er den verwaisten Vogelkäfig zu seinen Füßen und schleudert ihn in Richtung Pauline Gonthier. Die Mezzo-Sopranistin kann zum Glück nicht nur singen, sondern ist auch fangtechnisch auf der Höhe. Der Käfig landet sicher in ihren Armen. Das Problem: Der Metallkasten löst bei ihr große Verwirrung aus. Sie duckt sich, wirft die rechte Hand zum Schutz aus und sucht mit flackerndem Blick ihre Umgebung ab.

Tja, die Liebe. „Wir haben versucht unterschiedliche Bilder zu bauen“, sagt Regisseurin Affolter. Der Bogen reiche von der Leichtigkeit, die man habe, wenn man verliebt sei, bis dahin, dass die Liebe ein dunkler Schacht sein könne – wie Brahms es formuliert habe.

Der Aggregatzustand dahinter ist der Wahnsinn, der Menschen in flatterhafte Wesen verwandelt. Für das Publikum auf der Schlosswiese entpuppt er sich als Genuss.

Antje Ladiges-Specht hat den Weg der Besinnung eingeschlagen. Als Zen-Buddhistin hat sie damit schon vor Jahren begonnen. Damit ist sie wahrscheinlich vielen Besuchern weit voraus, die sich an diesem Abend bei ihr in Klein Zecher versammelt haben. Das Publikum wartet im Garten und in der Alten Schule auf Peter Köhlers (E-Cello & Gitarre) und Benjamin Lütkes (Percussion) Auftritt. Das Duo will den Bilderzyklus, den Antje Ladiges-Specht im Rahmen des KulturSommers am Kanal vorgestellt hat, musikalisch reflektieren. Der Titel: „Weg der Besinnung“.  

Die beiden Musiker machen es sich zwischen ihrem gewaltigen Equipment bequem. Benjamin Lütke checkt noch mal die Technik. Peter Köhler greift zum E-Cello. Links von ihm hockt Gianluca Ravior, der für die Internet-Übertragung des Konzertes zuständig ist.

Die musikalischen Spiegelungen beginnen mit dem Bild „Vertraut werden mit sich selbst“. Ein goldener Kreis, in dem ein Schatten hereinreicht. Die Selbsterkenntnis, dass das eigene Ich nicht nur Gold ist, das glänzt. Benjamin Lütke macht sie tastend hör- und spürbar. Er kratzt, klopft und schabt über eine weiße Fläche. Die daraus entstehenden Geräusche werden über einen Verstärker in den Raum übertragen. Peter Köhler entlockt seinem E-Cello sphärische Klänge. Langgezogene Töne stoßen das Tor auf in größere Dimensionen.

Es ist eine wunderbare Vorlage, um den Bewusstseinsstrom zu verlangsamen und ihn am Ende womöglich preisgeben zu können. Die Musik als meditative Gehhilfe. Der Raum der Alten Schule, die Bilder und das Licht tun ihr Übriges. Wenn das Vertrautwerden mit sich selbst gelingen kann, dann auf jeden Fall hier und jetzt an diesem Ort.

Die Musiker zumindest sind ganz bei sich. Benjamin Lütke arbeitet bisweilen mit dem ganzen Körper. Das große Equipment, das Peter Köhler und er mitgebracht haben, will gebraucht werden. „Die Annäherung“ – Motiv Nummer 2 – startet mit einigen Disharmonien. Das Bild zeigt ein paar dünne goldene Streifen, umgeben von schwarzer Fläche.

Kein Grund dunkle Gedanken zu entwickeln: Als das Stück endet, brandet zum zweiten Mal Beifall auf. Das Duo ist jetzt richtig in Fahrt. Sie streben auf den „Lebensweg“ zu: Geburt, Jugend – die Entwicklung unseres Seins. Goldene und dunkle Streifen lassen den musikalischen (Im-)-Puls steigen. Dramen spielen sich ab. Peter Köhlers Gitarre klingt angekratzt. Wie ein harter Gegenstand, der über den Asphalt gezogen wird. Die Percussion-Trommel fügt schabende Töne hinzu. Wer sind wir? Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Aus den wilden Geräuschen wird ein tropfender Rhythmus. Die Musiker steuern über „Die Besinnung“ – Bild Nr. 4 – auf das Finale „Auf der großen Erde gehen“ zu.

Das Duo hat sich der Herausforderung der Künstlerin erfolgreich gestellt. Das Publikum klatscht Beifall. Der erste Schritt auf dem „Weg zur Besinnung“ ist gemacht.

In der letzten Woche des KulturSommers am Kanal lädt das Künstlerhaus Lauenburg Bürger der Stadt Workshop ein. Die Bewohner können sich an der Erschaffung einer Klangskulptur beteiligen. Das Kunstwerk soll Fragen wie „Wie klingt unsere Stadt?“ und „Wo ist eigentlich die Mitte Lauenburgs“ in den Fokus nehmen. Die Klangskulptur, die zeitlich befristet auf der Baubrache an der Berliner Straße installiert werden soll, wird am Sonntag, 5. Juli, um 15 Uhr offiziell im Rahmen des KulturSommers präsentiert.

Das Künstlerhaus möchte mit den Bürgern gemeinschaftlich die Klänge, Geräuschwelten und Resonanzen der Stadt erforschen, um daraus verschiedenartige Formen für eine schwingende Architektur zu entwickeln. Die Workshop-Woche wird in Kooperation mit dem Klangkünstler Fritjof Mangerich durchgeführt, der derzeit Stipendiat am Künstlerhaus ist. An der Umsetzung beteiligen sich zudem Benjamin Stumpf und das Hamburger Künstlerkollektiv Baltic Raw. 

Parallel zum Workshop installiert Baltic Raw auf der Brachfläche eine Nutzpflanzen-Karte mit Begleittexten zum Thema „Essbare Stadt“. Das Künstlerkollektiv greift damit eine Anregung der Bevölkerung auf und lädt ein zum weiteren Austausch mit den Bürgern Lauenburgs.
Der Workshop startet am Dienstag, 30. Juni, um 11 Uhr. Treffpunkt ist das Künstlerhaus Lauenburg. Teilnehmen können maximal 15 Personen. Anmeldungen unter stumpf@kuenstlerhaus-lauenburg.de.

Workshop, 30. Juni bis 5. Juli, Künstlerhaus, Elbstraße 54 (& Berliner Straße), Lauenburg, täglich 11 bis 16 Uhr

Präsentation Klangskulptur, 5. Juli, Brachfläche, Berliner Straße, Lauenburg, 15 Uhr  

Ein experimentelles Musikerlebnis

Statt wie geplant mit seinem Fahrrad und der Oper im Rucksack kommt Felix Stachelhaus in diesem Jahr Online per Video-Chat zu Ihnen nach Hause und das kostenlos!

Am Sonntag, dem 28.06. können Sie sich nach Voranmeldung per Mail unter kultursommer@norden-theater.de oder unter 0157 85317128 ein 30-minütiges Zeitfenster reservieren. Bitte geben Sie auch Ihre Telefonnummer und die gewünschte Startzeit mit an.

Zwischen 13:00 und 19:00 Uhr sind im halbstündlichen Takt Reservierungen möglich.

Freie Zeitfenster:

13:00 – 13:30

13:30 – 14:00 BELEGT

14:00 – 14:30

14:30 – 15:00

15:30 – 16:00

16:30 – 17:00 BELEGT

17:30 – 18:00

18:30 – 19:00 BELEGT


NACH EINEM JAHR

Komposition und Text: Felix Stachelhaus

Ich ging den Trampelpfad entlang auf das Haus zu. Die Gräser schaukelten im Wind, der vom Meer her wehte. Die Eiben rauschten. Alles wirkte auf mich genauso wie ein Jahr zuvor, und für einen Moment glaubte ich, wieder dort zu sein. Ein seltsames Gefühl, als würde ich mich selbst beobachten.

Ein Ort, der Erinnerungen an etwas weckt, das nicht mehr ist. Etwas, das nie wieder sein wird. Im Laufe eines Jahres hat er sich nur minimal verändert, die verstrichene Zeit lässt sich nur an Kleinigkeiten festmachen. Doch wie lang braucht es, bis Wind und Wetter diesen Ort so sehr verändert haben, dass wir ihn nicht mehr wiedererkennen? Was bleibt von unserer Erinnerung, wenn sie keinen Ort mehr hat? Und braucht Trauer einen äußeren Ort, oder genügt ihr ein Ort in uns?

Nach einem Jahr ist eine multimediale Meditation über Vergänglichkeit, Trauer und den Umgang mit Verlust.

Dauer: 14 Minuten 

Deutsche Texte


ABLAUF

Damit Sie die unsere Lieferung in Empfang nehmen können, brauchen Sie nur ein Gerät mit Internetanschluss. Kurz vor Ihrer persönlichen Vorstellung erhalten Sie eine Email mit dem Link zum OPERANDO-Meeting. Für dieses sollten Sie am besten den „Zoom Client for Meetings“ installieren (https://zoom.us/download#client_4meeting), ansonsten können Sie aber auch einfach direkt in den Browsern Chrome oder Firefox zu uns kommen (Safari funktioniert leider nicht). Außerdem möchten wir Ihnen sehr ans Herz legen, ein Gerät mit einem recht großen Bildschirm zu verwenden und den Audioausgang an eine gute Stereoanlage anzuschließen oder Kopfhörer zu verwenden – nach unserem Gespräch bekommen Sie schließlich eine Oper zu sehen und zu hören! 

Die Bühne ist ein kleiner Flecken. Ein blauer Tupfen auf dem Menzer-Werft-Platz, unter dem in diesem Moment Bögen und Finger fliegen. Evelyne Saad, Lucy Finckh, Christian Jonkisch und Sigrid Strehler spielen unter einem Zeltpavillon. Umgeben von dem großen Areal und ein paar Spaziergängern, die zum Flanieren an die Elbe gekommen sind.

Dem Streichquartett des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck ist das gerade mal so was von egal. Der Auftritt in Geesthacht ist für das Ensemble offensichtlich ein Akt der Befreiung. Live musizieren. Einfach so. Draußen. Darauf haben sie seit März warten müssen. „Es ist ein sehr angenehmes Spielgefühl hier“, meint Christian Jonkisch. „Mitten in der Natur.“ Und wenn jemand kein Interesse an der Musik hat und einfach vorbeigeht? Stört das? „Wir sehen das natürlich“, sagt Evelyne Saad. „Aber das ist nicht unangenehm.“

Mit „Kurmusik aus den Wolken“ ist das Ensemble im Programm des KulturSommers am Kanal angekündigt. Der Titel könnte passender kaum sein. Leichtigkeit prägt das Spiel des Quartetts. Die Melodien gehen wie selbstverständlich vom Notenblatt auf die Musiker über. Man kennt sich. Man ist vergnügt miteinander, reicht die Tonfolgen Dvořáks, Mozarts & Co. beschwingt weiter. Manch einen der Flanierer verwandeln sie damit – wenn schon nicht zum Kurgast – zum Konzertbesucher.

Es gibt Beifall zwischen den Stücken und persönlich geäußerte Anerkennung. Während das Quartett an den Noten nestelt und aufpassen muss, dass die Zettel nicht von der stetigen Brise, die über den Platz geht, fortgeweht werden, nähern sich Zuhörer dem Zeltpavillon, um „danke“ zu sagen. Der Dank kommt postwendend zurück. Verbal und mit weiterer Musik. Das Quartett verständigt sich, ein Stück von Astor Piazzolla zu spielen. So selbstverständlich das Spiel, so offen die Auswahl. Der Auftritt in Geesthacht ist keiner von der Stange.

Als es für den KulturSommer am Kanal in die Wolken ging, war der Verein „KunstWerk Mölln und Umgebung“ längst auf dem Weg nach Europa. „Die Vorbereitungen waren schon so weit fortgeschritten“, sagt Almuth Grätsch, „dass für uns, umzukehren, nicht mehr in Frage kam.“ Dementsprechend setzt sich eine ganze Reihe von Bildern und Skulpturen im Ausstellungsraum des Robert-Koch-Parks mit dem Kontinent auseinander. Die Ausstellung „Europa im Blick?“ ist damit quasi ein Relikt: Sie erinnert an die Zeit vor der Pandemie, als der Kulturbetrieb weitgehend unbeschwert vor sich hin schnurrte und der KulturSommer am Kanal zig Veranstaltungen unter dem Motto „Europa – Bilder und Klänge“ plante.

Für Wilfried Ohldag, Bruno Kluß und Jürgen Knischewski bekommt es der Kontinent mit einem wildgewordenen Stier zu tun. Ihre gewaltige Holzfigur in Blau, versehen mit goldenen Sternchen, ist ein Blickfang für die Besucher. Für das Künstler-Trio hat der Kontinent die Nerven verloren und läuft jetzt Gefahr auf die Hörner genommen zu werden.

Während der Stier bedrohlich daherkommt, gibt Sabine Stahlkopf den Besuchern, ein Instrument an die Hand, Europa mit Muskelkraft zu entdecken. Im Gang vor dem Ausstellungsraum steht ein mit proeuropäischen Utensilien übersätes Fahrrad. Das bevorzugte Material: Strickwolle. Almuth Grätsch gefällt, was Sabine Stahlkopf macht. Die Künstlerin habe da ihren Stil gefunden, meint sie.

Wie Dinge ganz allgemein ins Rutschen geraten können, zeigen die Bahnhofsrequisiten von Jürgen Knischewski. Am Gleis Eriwan steht bei ihm der Schaffner mit einer Signalkelle, die sich pandemiebedingt in ein Geduldspiel mit Ball verwandelt hat.

Stück für Stück schreitet Almuth Grätsch die Werke ab. Wartet immer mal wieder mit spannenden Infos auf – wie bei den Exponaten, die auf der Eingangsseite des Ausstellungssaals zu bewundern sind. „Für diese Bilder hatten die Maler nur zwei Stunden Zeit“, erinnert sie sich.

Den Besucherinnen und Besuchern von „Europa im Blick“ gewähren die Organisatoren glücklicherweise mehr Stunden. Die Ausstellung ist am 23., 24., 25., und 30. Juni zwischen 9 und 16 Uhr sowie am 28. Juni von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Darüber hinaus ist die Schau am 1. und 2. Juli von 9 bis 16 Uhr zugänglich.

Zu einem Mittsommerfest mit schwedischer Musik lädt am Sonntag, 21. Juni, der KulturSommer am Kanal auf die Wiese neben dem A. Paul Weber-Museum (Ratzeburg) ein. Für die passende Musik sorgen Günter Klose und Freunde.

Aufgrund der kurzfristigen Planung bitten wir Sie, die rund 200 Meter vom Veranstaltungsort entfernten öffentlichen Toiletten zu nutzen. Außerdem sind Getränke selbst mitzubringen. Wegen der Covid-19-Pandemie ist der Zutritt zur Wiese auf 50 Personen beschränkt.

Wir bitten Sie außerdem, die Abstandsregelungen einzuhalten, nicht zu Tanzen und beim Hin- und Rückweg zu Ihrem Platz einen Mund- und Nasenschutz zu tragen.

Der Stadt aufs Dach gestiegen sind am vergangenen Wochenende die Sängerinnen und Sänger des Kanu-Wander-Theaters. Vom Rathaus Schwarzenbek herab entfachten Sopranistin Freja Sandkamm, Mezzosopranistin Pauline Gonthier, Tenor Ljuban Zivanovic und Bassbariton Tim Maas „Dieser Liebe schöne Glut“.

Einige der überraschten Passanten stutzten und staunten, als das Ensemble mehrere Stücke aus einem „Liebesliederwalzer op 52.“-Zyklus von Johannes Brahms intonierte. An einem am Ritter-Wulf-Platz gelegenen Würstchenstand nahm man dagegen zunächst keine Notiz von dem Überraschungskonzert. Dies änderte sich erst, als das Ensemble die Texte szenisch untermauerte. „Sobald die choreografischen Elemente kamen, haben die Leute die Figuren nachgeäfft,“ rekapituliert Michelle Affolter den Auftritt.

Die Regisseurin des Kanu-Wander-Theaters hat das Programm „Dieser Liebe schöne Glut“ inszeniert und damit Neuland betreten: ein Gastspiel im öffentlichen Raum vor einem beiläufigen Publikum. Bei der Premiere auf dem Ritter-Wulf-Platz in Schwarzenbek bedeutete dies, dass es zwischen Bude und Balkon um die Wurst ging – bei einem eindeutigen Punktsieg für die Profis des klassischen Gesangs. Ein weiterer Auftritt und damit womöglich ein Duell um die Gunst der Öffentlichkeit ist am Sonnabend, 27. Juni, in Geesthacht geplant.

Eine Prise Humor gehört bei Stefan Kruse zumeist dazu. Auch an Deutlichkeit lässt er es selten fehlen. Das Schaf, das er mit wenigen Federstrichen gezeichnet hat und das jetzt kurz davor ist, einem Kite-Surfer als Segel zu dienen, ist ein Beispiel dafür.

Sicher lässt sich auch in diesem Fall fragen, was der Künstler dem Betrachter damit sagen will. Doch unstrittig ist, dass die „Dinge“, die er zeichnet, eine klare Zuschreibung ermöglichen. Der Mensch ist ein Mensch, das Schaf ist ein Schaf und die Katze eine Katze. Dass die Dinge sehr häufig der gewohnten räumlichen Darstellung nicht entsprechen – Stefan Kruse mit Flächen arbeitet, die so wirken, als sei ihm der Blick für die Relation verlustig gegangen – steht auf einem anderen Blatt Papier.

Die Art und Weise, wie er Gesichter malt, habe ihren Ursprung in der Romanik und in der Gotik, sagt er. Vorbild sei beispielsweise der Maler Giotto – ein Künstler, der im Spätmittelalter wirkte. Giotto stellte in seinen Arbeiten biblische Figuren und Themen dar. Stefan Kruse nutzt die Technik, um zuzuspitzen. Skurriles wird dadurch noch skurriler und eröffnet Raum für Humor.

Doch wer aufmerksam durch das Atelier des Künstlers in Krummesse wandert, merkt schnell, dass es Stefan Kruse nicht allein darum geht, Menschen bloß zu stellen oder zu diffamieren. Er legt den Finger in die Wunde und hofft auf Besserung. Gerne lässt er sich auch zu positiven Bildern inspirieren. So hat er die italienischen Balkonkonzerte während der strengen Covid-19-Quarantäne in einigen Zeichnungen verewigt. Sie zeigen singende und musizierende Menschen in einem Meer an Häusern.

Das Verhalten der Menschen im Süden Europas – auch in Spanien – hat ihn tief beeindruckt. Dort sei es lange um die nackte Existenz gegangen. „Hier haben sich die Leute Gedanken gemacht, ob sie in den Urlaub gehen können.“

Stefan Kruse, der von Beruf eigentlich Kommunikationsdesigner ist, hat sich über Jahre mit seiner Kunst einen Namen gemacht. Unter anderem wurde er 1993 von der Internationalen Biennale für Satire und Humor ausgezeichnet. Wohl auch deshalb freut er sich im Rahmen des KulturSommers am Kanal über einen großen Publikumszuspruch. „Heute waren schon 16 Leute da“, sagt er. Er rechne an vier Wochenenden mit 100 bis 120 Besuchern. Kein Kunststück bei dieser Kunst. Und dann gibt es sogar noch einen Kaffee oben drauf.

Gegen halbzwei sind die Holzköpfe der Sonne ausgesetzt. Der Dunst hat sich verzogen. Auch die seltsamen Metallwesen an der Pferdekoppel liegen jetzt im hellen Licht. Hans-Joachim Ruge, Sybille Horn, Reinhard Sauer und Hans Fuhrke haben es sich vor der Werkstatt auf einem Stuhl bequem gemacht. Ein Vorzelt schützt sie vor Sonne. Sie warten – warten auf die nächsten KulturSommer-Gäste.

Das Quartett hat sich bei einem Kunst-Kurs kennen gelernt. Bei Jan de Weryha-Wysoczański, einem polnischen Bildhauer. Der Mann hat sie nicht nur tief beeindruckt, er ist auch dafür verantwortlich, dass nun all diese Skulpturen auf Gut Wotersen zu besichtigen sind. „Jan de Weryha-Wysoczański hat uns alle vorangebracht“, sagt Reinhard Sauer.

Aus seinen Händen stammen die seltsamen Metallwesen. „Ich bin Eisenplastiker“, erklärt er sein Metier. „Das heißt, ich baue Artefakte auf.“ Sein Material finde er auf Schrottplätzen. Vieles, was er verwende, stamme von ausgedienten Landmaschinen. Daraus schweißt er Tiere. Kleine und große. Reinhard Sauer zeigt auf einen Skorpion. „Die Beine hier“, erklärt er, „sind aus einer alten Werkzange.“

Ganz anders arbeitet Hans Fuhrke. Er verwendet alles, was groß und schwer ist. Einen riesigen Baumstamm hat er in eine stämmige Frau im roten Kleid verwandelt. Die Dame steht jetzt vor der Werkstatt. „Klein kann ich nicht“, meint er achselzuckend. Die Bildhauerei sei für ihn „optimale Entspannung“. Angefangen habe er sie als „Therapie“. Zunächst habe er gedacht – „ich kann das nicht“ –, aber dann habe er schnell gemerkt, ein bisschen gehe es doch.

Schönheiten sind Hans Fuhrkes Figuren nicht. Er sehe sie aber „positiv“, sagt der Schöpfer. „Sie sind nicht gefällig“, ergänzt Sybille Horn. Auch ihr Herz schlägt für die Bildhauerei. Sybille Horn ist Buddhistin. Sie sagt, sie sei bei ihren Arbeiten immer auf der Suche nach der Befreiung. Dabei sei sie an keine Form gebunden. Auch sei es ihr „wurscht“, ob sie in Holz oder Beton mache.

Kollege Hans-Joachim Ruge stellt klar, dass er mit allem arbeite, was er in die Finger bekomme. Sein Ziel sei „eine Form, die absolut ist. Ich weiß natürlich, dass man das sowieso nicht hinkriegt“, räumt er ein. Aber der Traum bleibt: ein Werk zu schaffen, dass sich jemand anguckt und sagt – „das ist es!“.

Unabhängig davon haben sie in der Bildhauerwerkstatt Wotersen die Kunst zum Lebensmodell erhoben. „Wir arbeiten hier, seit wir Rentner sind, zusammen“, sagt Reinhard Sauer. Das heißt nicht, dass sie sich ständig auf die Pelle rücken. „Bei der Kunst gehen wir schon unseren Weg“, betont Reinhard Sauer. „Aber wir beraten uns gegenseitig.“

Einen Eindruck von den laufenden KulturSommer am Kanal-Produktionen verschafften sich am Donnerstag (11. Juni) Journalisten und Sponsoren. Die Stiftung Herzogtum Lauenburg und die Stadt Schwarzenbek hatten zu einer Besichtigung des Aufnahmestudios im Jugendzentrum der Stadt Schwarzenbek geladen. Dort geben sich in diesen Tagen Musiker, Literaten und Künstler aus der Region die Klinke in die Hand, um Videos für das Festival zu produzieren. Ein Großteil des KulturSommers am Kanal bekommt das Publikum pandemiebedingt als Netz-Event geboten. 

Stiftungspräsident Klaus Schlie lobte das von Intendant Frank Düwel und Managerin Farina Klose kurzfristig auf den Weg gebrachte Konzept. Die Stiftung sei froh und dankbar, dass es ihnen zusammen mit ihrem Team gelungen sei, „diesen KulturSommer auf die Beine gestellt zu haben“. Dies sei für die Künstler in der Krise besonders wichtig. „Ohne Premiumpartner wäre das alles so nicht möglich“, bedankte er sich zudem bei der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg, die das Festival seit Jahren als Sponsor unterstützt.

Dr. Stefan Kram, Vorstand der Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg, spielte den Ball zurück: Es sei richtig gewesen, den KulturSommer am Kanal in die Wolken zu verlegen. Die Künstler hätten derzeit keine Sicherheit. Deshalb sei es gut, wenn sie immerhin online vertreten seien. „Da sind viele tolle Ideen dabei“, so Kram. „Da bin ich auf die Resonanz gespannt.“

„Für das erste kleine Video haben wir schon 400 Klicks gehabt“, nannte Intendant Düwel gleich eine beeindruckende Zahl. Er betonte, dass Netz-Events auch künftig ein Teil des KulturSommers sein werden – auch um jüngere Menschen für das Festival zu gewinnen.  Gleichwohl stellte er klar: „Wir wissen noch nicht, wo wir nächstes Jahr überall sind, aber wir sind draußen. Das geben wir nicht auf!“

Draußen ist der KulturSommer am Kanal auch 2020. Statt mit den gewohnt großen Produktionen mit der „Kunst am Wegesrand“. „Wir haben eröffnet, ohne zu eröffnen“, erinnerte Düwel an die gelungene Vorstellung der Installation „Kan U see the Sky“ in Büchen. Auch an diesem Wochenende ist das Kunstwerk wieder unterwegs. Zudem sind kreisweit jede Menge Exponate zu bewundern.

Norbert Lütjens, Schwarzenbeks stellvertretender Fachbereichsleiter für Schule, Sport, Kultur und Jugend, erinnerte an die Anfänge seiner vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Düwel. Er verwies auf die Erfolgsstory von „Beat’n’Dance“, an der in den vergangenen zehn Jahren 400 Jugendliche beteiligt waren. Mit Blick auf das Aufnahmestudio sehe man ihn hier „mit stolzgeschwellter Brust“.

„Das wichtigste ist, dass wir uns mal wieder über Kultur unterhalten können“, nahm Rüdiger Jekubik, Schwarzenbeks stellvertretender Bürgermeister, das große Ganze in den Blick. Auch wenn Kultur immer Geld koste, halte er es für wichtig, dass sie durchgeführt werde.

Freuen Sie sich auf Kunst- und Musikmomente, die Sie im ganzen Kreis Herzogtum Lauenburg an überraschenden Orten finden.

Melodien und Gesang vom Ufer, vom Waldrand oder vom Balkon – wir möchten Sie mit Musik vom Wegesrand aus der Ferne berühren. Im Vorübergehen, bei einem kurzen Innehalten nehmen Sie die Klänge mit in Ihren Alltag, summen Sie weiter, was Sie gerade gehört haben. Ein Konzert-Moment für Sie persönlich.

Mit…

“Kurmusik aus den Wolken” – ein Streichquartett des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck (Evelyne Saad und Lucy Finckh, Violinen, Christian Jonkisch, Viola, Sigrid Strehler, Violoncello)

Zu erleben am 21.06. in Büchen und in Geesthacht, 27.06. in Lauenburg und 28.06. in Ratzeburg.

“Dieser Liebe schöne Glut” – Vier junge Opernsänger und -sängerinnen reisen durch die Region. Mit einem Opern-Ensemble der HfMT Hamburg (Freja Sandkamm, Pauline Gonthier, Ljuban Zanovic, Tim Maas), Regie: Michelle Affolter

Treffen Sie auf das Opernensemble am 13.06. in Schwarzenbek, am 27.06. in Ratzeburg und am 04.07. in Lauenburg.

Lorenz Stellmacher gemeinsam mit Günter Klose 

Am Nachmittag des 14.06.in Ratzeburg.

Außerdem: Peter Köhler

Benjamin Lüdke

Jörg Geschke

Niels Rathje

Christina Meier

„Europa im Blick“ hat die Ausstellung, die am Donnerstag, 11. Juni, im Robert-Koch-Park (Mölln) eröffnet wird. Zu sehen sind dort Bilder und Skulpturen von Künstlerinnen und Künstler aus dem Verein „KunstWerk Mölln und Umgebung“. Die Vernissage beginnt um 19 Uhr.

Die Exponate zeigen Ideen, Überlegungen und Eindrücke rund um den Alten Kontinent. Die Künstlerinnen und Künstlicher suchen die Begegnung – mit und ohne Stier. Sie fragen sich, inwieweit von Reiselust geträumt wird und inwieweit von einem Räderwerk, das den Alltagsrhythmus vorgibt. Das Ergebnis sind Gefühlsimpressionen, die kritische Auseinandersetzung – unter anderem mit Grenzen, die wieder allgegenwärtig sind.

So unterschiedlich wie die Künstler sind auch die Werke der Ausstellung. Als Gastausstellerin dabei ist die Lübecker Malerin Evelyn Wisbar. Die Ausstellung im Robert-Koch-Park ist sonntags am 14. und 21. Juni von 15 bis 17 Uhr zugänglich. Darüber hinaus ist sie am 16., 17., 18., 23., 24., 25., 28. und am 30. Juni zwischen 9 und 16 Uhr geöffnet. Im Juli gibt es am 1. und 2. Juli von 9 bis 16 Uhr die Gelegenheit, Bilder und Skulpturen in den Augenschein zu nehmen. 

„Ich ging im Walde/ So für mich hin,/ Und nichts zu suchen,/ War mein Sinn“ – der KulturSommer am Kanal hat in diesem Jahr so ein bisschen was von dieser Volksweise Goethes. Nichts Genaues weiß man nicht. Kann man ja auch nicht wissen, weil Regeln in diesen Tagen kommen und gehen. Sicher ist nur, dass es Menschenaufläufe zu (ver-)meiden gilt.

So gab es am Wochenende eine Eröffnung in Büchen, die gar keine Eröffnung war. Irgendwann tauchten Intendant Frank Düwel und Künstlerin Hanne Lenze-Lauch auf. Quasi aus dem Nichts. Und das Publikum, das so vor sich hin ging und nichts suchte, stellte plötzlich fest: Mensch, wir sind ja auf dem KulturSommer am Kanal!

Sie entdeckten vor Ort Hanne Lenze-Lauchs gelungene Kanu-Wander-Installation „Kan U See the Sky“ und ihr Werk „Möglichkeit zur Katze“. Und weil er nun mal da war, hielt Frank Düwel eine Eröffnungsrede für das Publikum. Wohl zufällig war auch Büchens Bürgervorsteher Axel Bourjau anwesend, weshalb sich der Intendant bei ihm und seiner Stadt für die gute Zusammenarbeit bedankte. Schließlich hatte man im Frühjahr die offizielle Eröffnung des KulturSommers am Kanal 2020 schon durchgeplant. Also alles für die Katz‘? Nein. 2021 finde die Eröffnung des Festivals auf jeden Fall in Büchen statt, versicherte Düwel Bourjau und den anwesenden… Gästen.